Omneia
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Der Name Omneia

Omneia ist ein arabischer Mädchenname. Das Wort beschreibt das Gefühl, morgens aufzuwachen, völlig ausgeschlafen, schön geträumt zu haben und einfach grundlos glücklich zu sein. Ein Gefühl tiefer, innerer Zufriedenheit. Also genau das Gefühl, das man an zumindest jedem Urlaubstag morgens haben möchte.

Ich war erst kurze Zeit in Ägypten, als mir die wirkliche Ehre zuteil wurde, in El Quseir zur Hochzeit eines Kapitäns eingeladen zu werden. Da saß ich nun, abgeschoben zu den Frauen, denn in arabischen Ländern wird das Fest von Männern und Frauen getrennt gefeiert, mit meinem anfänglich noch holprigen Arabisch. „Min Hofagaia?“ - Wer ist die Ausländerin? – das habe ich wohl verstanden, dies wurde ständig geraunt. Damals war El Quseir noch ein richtig verschlafenes Fischerdorf und für viele Frauen dort war ich die erste Europäerin, mit der sie Kontakt hatten. Meine blauen Augen waren auch Gesprächsstoff unter den Frauen. Mir war etwas langweilig, da ich mich nicht wirklich unterhalten konnte. Dann habe ich Omneia gesehen, ein damals etwa drei Monate altes Baby. Sie war das hübscheste Kind, das man sich vorstellen kann, und seit dieser Hochzeit halte ich Kontakt zu Omneia und ihren Eltern.

In meiner Zeit als Dive Guide wurden vier Babies, deren Väter Mitglieder meiner Crews waren, Omneia genannt. Nicht, weil die Eltern diesen Namen so toll fanden, sondern weil ich ab dem Moment, als ich erfahren hatte, dass ein Crewmitglied Papa werden würde, ihm ständig in den Ohren gelegen habe: Omneia ist der schönste aller Namen, nenn‘ Dein Baby doch Omneia!

Mohamed Abdu, ein Mechaniker, und ich haben zusammen auf einem Schiff gearbeitet. Im ersten Jahr erging es ihm genau wie mir: Immer am Schiff, nie haben wir frei bekommen. Nur er kannte sich perfekt mit dem gesamten Inventar des Maschinenraumes aus, er war unverzichtbar. Und frisch verheiratet. Seine Frau saß in Alexandria und konnte aus einem Grund nicht schwanger werden - Mohamed Abdu kam nicht nach Hause. Die gute Frau wurde immer unzufriedener. Da sich die soziale Stellung einer Frau in Ägypten aber in erster Linie über den Status der Mutterschaft und die Anzahl der Kinder definiert, und da ich den Mechaniker auf keinen Fall verlieren wollte, habe ich meinen damaligen Chef gefragt, ob die Frau nicht eine Woche mit uns auf Safari fahren könne. Er hat sich von mir überreden lassen. Er meinte, ich solle den beiden eine weniger begehrte Kabine vorne im Bug geben.

Natürlich wurde es für die beiden eine Honeymoon-Kabine am Oberdeck. Mohamed Abdu und seine Frau waren in dieser Woche kaum außerhalb ihrer Kabine zu sehen. Der Kabinensteward brachte Erfrischungsdrinks mit Zuckerrand in die Kabine und alles, was noch der Stärkung diente. Die Frau wurde schwanger, und ich wurde Patentante von Omneia.

Als ich vor kurzem in Ägypten war und meinen ägyptischen und deutschen Freunden erzählte, dass ich mich mit einem Unternehmen für Tauchreisen selbstständig gemacht habe, war für alle völlig klar, wie meine Firma heißen muss:

Omneia!