Brother Island / Großer Bruder

Den großen Bruder dominiert der 1883 erbaute und noch heute betriebene Leuchtturm und der Anleger. Ansonsten tut sich auf einer ungefähren Fläche von drei Fußballfeldern neben dem Korallensand nicht viel. Die dunklen, vom Meer geschliffenen Flächen, die sich am Rand der Insel zeigen, geben einen Blick auf das Vulkangestein preis.
Meist ankert das Schiff an der Westseite bis zur Südspitze des Plateaus. (Eigentlich richtet der große Bruder sich nicht in der klassischen Nord-Süd-Achse der Riffe des Roten Meeres aus, wir behalten zur einfachen Orientierung aber die Nomenklatur bei.) Traditionell werden die Westseite und das Plateau betaucht. Die Ostseite wird selten betaucht, dies erklärt sich nur aus der Tradition der Tauchgangsplanung, weniger aus der Schönheit des Platzes. Eine herbe Riffstruktur, fast alle Steinkorallenarten, Gorgonien und viel Schwarmfisch macht auch die Ostseite lohnenswert.
Das Südplateau des großen Bruder beherbergt mehrere wundervoll bewachsene Erks, hier kommen Fotografen auf ihre Kosten. Zwischen den Erks zieht sich zum Westen ein Canyon hin, in dem sich eine Haiputzerstation befindet. Hier sammeln sich mit etwas Glück Fuchshaie und Mantas.
Die Westseite ist nicht ein einfaches, sondern ein dreifaches Highlight. Hier bieten sich grundsätzlich drei Tauchgänge an. Die Westseite ist wunderschön mit Weichkorallen und Schwarzen Korallen bewachsen. Vielfach ist die Steilwand zerklüftet und die Wand bildet Grotten, Höhlen und sanfte Buchten aus. Im Blauwasser zieht Großfisch vorbei, ein Blick ins Blau lohnt immer. In einer der Buchten steht ganzjährig ein Schwarm von silbrig glänzenden Hängebeilbauchfischen, die immer wieder von Papageienfischen geärgert werden. Ein wunderbares Schauspiel und eines auf dem Präsentierteller für den Fotografen.
Zwei der berühmtesten und lohnenswertesten Wracks nicht nur des Roten Meeres haben ihre letzte Ruhestätte an der Westseite des großen Bruders gefunden: die Numidia und die Aida. Die Numidia liegt ziemlich nah an der Nordspitze, gerade noch nicht im Schatten der sich teilenden Strömung. Je nach Strömungslage kann ein Tauchgang an der Numidia sehr anspruchsvoll sein. Die Numidia diente als Frachtdampfer von 150m Länge und 18m Breite und fand im Jahr 1901 an dieser Stelle ihre Ruhestätte. Der Korallenbewuchs ist einmalig schön. Bereits vom Riffdach mit den Eisenbahnrädern spielen Farben mit diffusem Licht und vermitteln eine erhabene Stimmung. Alle Räume sind gut erreichbar, das Wrack ist mal durchflutet von Licht mal erahnt man das Licht nur. Das Wrack liegt in ca. 80m auf dem kurzen Saum auf, wie gesagt, am Saum taucht man zu tief. Die Masten ragen noch heute ins Blaue. In Höhe der Mastspitze lassen sich morgens, bei guten Bedingungen, die im Blauwasser vorbeiziehenden Haie beobachten. Ein Tauchgang an der Numidia ist immer zu kurz, denn in jedem Fall muss man zum Ende des Tauchgangs noch um die Nordspitze zur Westseite zurück, um aus dem Brandungsbereich zu kommen und sicher das Zodiac oder das Safarischiff zu erreichen.
Vor der Nordspitze, gut zu erreichen an der Westwand, fand die Aida 1957 ihren Meister im großen Bruder. Von den 82m Länge ist ein guter Teil des Bugs durch Aufprall und die Elemente geborsten. Das eigentliche Wrack beginnt hier erst in einer Tiefe von ca. 30m und endet bei 65m. Auch hier ist der Bewuchs einzigartig. Das Wrack ist einfach zu betauchen und bietet eine Vielzahl von Motiven für den passionierten Fotografen. Limitiert durch die Tiefe ist auch jeder Tauchgang an der Aida anspruchsvoll.
 
Schiffdaten Aida
Länge 82m
Breite 10,50m
Tiefgang 7,50m
Antrieb Dampfschiff
Ladung auf der letzten Fahrt ägyptische Soldaten
Stapellauf 1911
Untergang 1957
Minimale Tiefe 28m
Maximale Tiefe 64m
Schiffdaten Numidia
Länge 150m
Breite 18m
Tiefgang 6,50m
Antrieb Dampfmaschinen
Ladung auf der letzten Fahrt Eisenbahnzubehör, Räder und Achsen für Lokomotiven
Stapellauf 1901
Untergang 21.07.1901
Minimale Tiefe 20m
Maximale Tiefe 78m